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Persönlichkeits- und Teamentwicklung Teil 8: Soziale Verantwortung

Soziale Verantwortung im Sport bezieht sich zunächst darauf, zuverlässig am geregelten Trainingsalltag teilzuhaben und die zugewiesenen Aufgaben und Funktionen zu erfüllen. Dazu gehört es, vorliegende Normen und Regeln (z.B. Judo-Werte oder Dojo-Etikette11) einzuhalten, Andere in sportlichen Aufgaben und bei Schwierigkeiten zu unterstützen sowie Konflikte produktiv auszutragen. Zentraler Kern der sozialen Verantwortung ist es, eigene Interessen einer gemeinsamen Zielorientierung der Trainings- und Wettkampfgruppe unterzuordnen, z.B. eigene Stärken einzubringen, trotz hoher zeitlicher Belastung als Trainingspartner/-in zur Verfügung zu stehen oder eigene Ansprüche zum Wohle der Mannschaft zurückzustellen. Soziale Verantwortung übernimmt aber auch Tori beim Werfen von Uke, indem er ihm ein verletzungsfreies Fallen ermöglicht.

Kooperationsfähigkeit ist im Judo eng mit der Uke-Rolle verknüpft. Seine Fähigkeiten, etwa die Perspektive des Partners einzunehmen, dem Partner angemessenen Widerstand zu leisten, ihm Leistung verbal und vor allem auch nonverbal konstruktiv rückzumelden, haben maßgeblichen Einfluss auf den Lernerfolg von Tori. Perspektivenübernahme, Kommunikationsfähigkeit und soziale Verantwortung stehen darüber hinaus in enger Verbindung zum zweiten Judo-Prinzip („Durch gegenseitige Hilfe und Unterstützung zu beiderseitigem Wohlergehen und Nutzen beitragen und zu allgemeiner Wohlfahrt und Glück gelangen“), aber auch zu den Judo-Werten Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Respekt, Wertschätzung und Freundschaft. Die Umsetzung der Judo-Prinzipien und Judo Werte erfordert und – so die Annahme – fördert die beschriebenen Basiskompetenzen.

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